China
Erste Irdenwaren sind archäologisch für das 7. Jt. v. Chr. belegt. Eine prägnante stilistische Gruppe bilden die Keramiken der Yangshao-Kultur (5. – 3. Jt. v. Chr.), die mit geometrischen Mustern sowie Spiralen verziert wurden. Die schwarzen und dünnwandigen Gefäße der daran anschließenden Longshan-Kultur (3. – 2. Jt. v. Chr.) wurden bereits auf einer schnell rotierenden Töpferscheibe gedreht und relativ hoch bei bis zu 900 °C gebrannt. Die chinesische Keramikkunstgeschichte ist voller Innovationen, zu denen auch die Entwicklung von Glasuren zählt. Archäologische Funde weisen darauf hin, dass der Glasurbrand zu Beginn des 1. Jt. v. Chr. bereits etabliert war.
Kulturelle, religiöse und soziologische Entwicklungen schlugen sich auch immer in der Keramikproduktion nieder. Die Verbreitung des Buddhismus, welcher dem Menschen nach seinem Ableben noch weitere Leben in Aussicht stellt, führte in der Han-Zeit (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) und der Tang-Zeit (618-906) zur Herstellung von Keramikobjekten mit Abbildungen aus Alltagsleben und Tierwelt, die den Verstorbenen als Grabbeigaben für ihr Leben im Jenseits mitgegeben wurden. Besondere Bekanntheit haben die Pferdeplastiken erlangt, die glasiert in den Tang-Farben braun, gelb und grün, meisterlich in der naturnahen Ausführung je nach Größe den gesellschaftlichen Status des Verstorbenen anzeigte. Auch das erste echte Porzellan entstand in der mittleren Tang-Zeit.
Auf die Tang-Zeit folgen einige Zwischenperioden, von denen die Song-Periode (960-1279) als Zeit der Literati-Beamten und kunstsinnigen Connaisseurs besonders hochwertige Waren, unter anderem grün glasierte Seladone, feine Steinzeuge (ding und guan) oder zarte, hellblau glasierte Porzellane (qingbai) hervorbrachte. Diese hochentwickelten Brenntechniken blieben von dem Rest der Welt noch unbeachtet.
Erst mit der Neuzeit, als das Reich in der Yuan-Zeit (1279–1368) unter der Fremdherrschaft der Mongolen stand, und vor allem während der anschließenden Ming-Zeit (1368–1644) setzte die Periode der chinesischen Keramikgeschichte ein, in der das Porzellan zu einem weltweit begehrten Luxusgut wurde. Grüne Seladone und vor allem das Blauweiß-Porzellan entwickelten sich zu Exportschlagern. Der Ort Jingdezhen in der Provinz Jiangxi ist seit der Song-Zeit das wichtigste Porzellanzentrum Chinas. Während der Ming-Dynastie wurde Jingdezhen zum Produzenten von Waren für den kaiserlichen Hof ernannt und einige Öfen unter die Aufsicht von kaiserlichen Beamten gestellt. Gelb glasierte Gefäße wurden ausschließlich für die kaiserliche Familie hergestellt.
Die anschließende Qing-Zeit (1644-1912) brachte ihre eigenen Dekore hervor, von denen die polychromen in Europa die begehrtesten wurden. Gemäß ihrer Hauptfarbe wurden sie im Westen als famille verte (grüne Familie), famille rose (rosa Familie), famille jeune (gelbe Familie) und famille noir (schwarze Familie) bezeichnet.