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Europäische Fayencen

Fayenceausstellung
Sammlung Fayence

Der Begriff Fayence

Als Fayence bezeichnet man ein spezielles keramisches Material, das in Europa aus einer alten islamischen Technik entwickelt wurde. Bereits im 10. Jahrhundert vom Vorderen Orient über Nordafrika kommend, gelangte es zuerst nach Spanien. Über Italien nahm die Fayence ihren Weg nach Frankreich, kam nach Nevers und Rouen. Die Fayence ist eine Irdenware mit spezieller Glasur und wurde wie folgt hergestellt: Nach dem Trocknen erfolgt ein Schrühbrand bei 800°. Anschließend werden die Stücke mit einer weißbrennenden Zinnglasur versehen und mit Scharffeuerfarben bemalt. Mit Schwachfeuer oder Muffelfarben kann nun die Bemalung vorgenommen werden, die in einem dritten Brand bei 720 - 860 fixiert wird. Während der Experimente mit unterschiedlichen Brenntemperaturen gelangen eindrucksvolle Oberflächenbearbeitungen.

Teller mit Schwarzlotmalerei, J. Faber, Nürnberg, um 1680.

Fayencekunst aus Deutschland

Die älteste deutsche Fayencemanufaktur wurde 1661 in Hanau gegründet und kurz darauf folgte 1666 Frankfurt am Main. Bei beiden Gründungen konnten die Kenntnisse niederländischer Fachleute genutzt werden. Wie bei weiteren Manufakturgründungen im gesamten deutschen Raum, waren die Erzeugnisse deutlich durch niederländische Einflüsse  - sowohl in Farbgebung als auch in den Formen - gekennzeichnet. Die Chinoiserien, für die ganz Europa eine Vorliebe hatte, sind ebenfalls durch die Niederländer und ihre Handelsbeziehungen mit Ostasien nach Deutschland gelangt und nahmen bei der Gestaltung der Fayencen einen breiten Raum ein. 

Deutsche Fayencen Online Sammlung
Istoriati Teller

Fayencekunst aus Italien

Die Anfänge der europäischen Fayence liegen in Spanien und in Italien. Man kann davon ausgehen, dass die italienische Fayence nicht nur von Spanien - zumindest in den Anfängen - starke Impulse bekam, sondern ebenfalls unmittelbar aus dem Vorderen Orient. Bereits im 15. Jahrhundert schuf Italien eine eigene Art der Fayence, die allgemein italienische Majolika genannt wird. Frühe Herstellungsorte waren Faenza und Florenz.

Die Majolika der Renaissance machte die Keramik zum ersten Mal seit der Antike wieder zum Bildträger. Die Bildteller - Istoriati - gelten als berühmtes Beispiel. Darstellungen aus der antiken Mythologie oder der Bibel wurden von bedeutenden Künstlern der Renaissance ausgeführt. Meistens überzogen die Motive den gesamten Teller.

Teller mit Jesusmonogramm, Spanien/Manises, 15. Jh.

Fayencekunst aus Spanien

Seit Beginn der Produktion ist bei der spanisch-maurischen Fayence der Lüsterdekor charakteristisch und herausragend entwickelt. Die Technik des Lüsterdekors - eine metallisch schimmernde Glasur auf Keramik -  war im 9. Jahrhundert in Fostat, Ägypten und im persisch-syrischen Raum bekannt. Im 13. Jahrhundert erreichte die Kenntnis des komplizierten Herstellungsprozesses Spanien, wo sie mit Manises, Aragon und vor allem mit Malaga in Verbindung gebracht wird.

Blick in die Fayence Sammlung
Blick in die Fayence Sammlung

Fayencekunst aus den Niederlanden

Bereits im 16. Jahrhundert brachten italienische Töpfer die Fayencetechnik in die südlichen Niederlande und in der Folge zogen protestantische Keramiker von Antwerpen nach Norden; Rotterdam und Haarlem wurden Hauptorte der Fayenceherstellung. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Delft ein weiteres Zentrum der Fayenceherstellung. Hier wurden sowohl Fliesen hergestellt, als auch eine umfängliche Gefäßproduktion in Gang gebracht. Bestimmend waren neben dem Blau-Weiß-Delft ostasiatische Einflüsse und einheimische Dekore, auch in Buntfarben.

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