Keramik aus Vietnam
Jenseits der noch heute zahlreich erhaltenen Ruinen der historischen Hauptstädte Südostasiens brachten wissenschaftliche Grabungen in Vietnam, zunehmend seit den 1960er Jahren immer wieder neue Kenntnisse über die Kultur, die künstlerischen Traditionen und Lebensformen der indigenen Bevölkerung zutage. So ist in Südostasien eine lange Keramiktradition mit ungewöhnlichen Formen zu beobachten. Bereits vor mehreren Hundert Jahren fertigten Töpfer drachenähnliche Wächterfigur für Tempelanlagen, kleine Architekturmodelle als Grabbeigabe oder Wasserkrüge aus jadegrünem Seladon in Form von Unterwassertieren. Die Tierarten geben auch einen Aufschluss über die religiösen Vorstellungen.
In Vietnam konzentrierten sich die Produktionszentren für Keramik vornehmlich im Norden. Besonders in der Gegend um Thanh Hóa, ausgestattet mit Tonvorkommen und Wasserzugang boten sich hervorragende Bedingungen an, die über Jahrhunderte eine qualitätvolle Keramikherstellung ermöglichten. Die Bandbreite reichte von weißer, glasierter Ware im 11. und 12. Jahrhundert bis zu Keramik mit grüner Glasur, ähnlich der aus China bekannten Seladonware. Sie sollte die Farbe des Schmucksteines Jade nachempfinden, häufig dekoriert mit Lotusblütenmotiven, dem Symbol für Reinheit und Schönheit. Unabhängig von chinesischen Vorbildern zeigten sich auf der Keramik Tiermotive, wie Elefanten oder langfedrige Vögel, die einen rein vietnamesische Bezug hatten. Über Export und Verbreitung der vietnamesischen Keramik geben sowohl Ausgrabungen als auch die Bergung gesunkener Schiffen vor der Küste und deren Ladung Aufschluss. Die Wracks hatten in erster Linie die so beliebte und seit dem 15. Jahrhundert vermehrt hergestellte, blau-weiße Keramik geladen, die in alle Welt gehandelt wurde.